„siehe ich mache alles neu“, so der Spruch der diesjährigen Jahreslosung 2026.
Was versteht man darunter?
Problematisch ist nicht die Jahreslosung an sich, sondern ihre Verkürzung, Entkontextualisierung und ideologische Vereinnahmung.
So stützt sich dieser Teilvers auf das Wunschdenken vieler Menschen: die Hoffnung auf einen Zustand, bei dem alles besser wird (Frieden, Umwelt, Gesellschaft etc.).
Der Vers wird oft aus seinem eschatologischen Kontext gelöst
„Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5) steht nicht am Anfang der Heilsgeschichte, sondern nach:
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dem Gericht Gottes (Offb 20),
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der endgültigen Trennung von Gut und Böse,
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dem Ende von Tod, Leid und Sünde durch Gottes Eingreifen, nicht durch menschlichen Fortschritt.
Wenn dieser Kontext ausgeblendet wird, wird der Vers leicht:
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zu einer diesseitigen Hoffnung auf Weltverbesserung,
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zu einem religiösen Optimismus ohne Kreuz, Gericht und Buße.
Dann wird aus der Verheißung Gottes eine parareligiöse Fortschrittserzählung.
Gefahr eines Evangeliums ohne Umkehr
Biblisch gilt:
Erneuerung kommt nicht ohne Gericht
Heil kommt nicht ohne Buße
Gnade kommt nicht ohne Wahrheit
Wenn Kirchen „alles neu“ verkünden, aber:
Sünde nicht mehr beim Namen nennen,
Buße als „negativ“ oder „verletzend“ empfinden,
das Gericht Gottes verschweigen,
dann wird kein echtes Evangelium verkündigt: warum, wozu und für wen Christus am Kreuz sterben musste und das der eigentlich zur Umkehr (Sinnesänderung aufgerufen wird). Es entsteht eine Hoffnung ohne Bekehrung.
Verwechslung von Neuschöpfung und Selbstoptimierung
Der biblische Text sagt:
„Ich mache alles neu“ – nicht: der Mensch macht es neu
Wo jedoch:
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Bibelautorität relativiert wird,
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Gottes Gebote kulturell angepasst werden,
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Sünde umdefiniert oder entschuldigt wird,
wird aus göttlicher Neuschöpfung ein menschliches Projekt:
sozial, psychologisch, politisch, aber nicht geistlich.
Das ist kein Evangelium, sondern ein Ersatz-Heil.
„Namenschristentum“ und falsche Hoffnung
Viele hoffen auf eine „heile Welt“, ohne:
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Wiedergeburt (Joh 3),
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Kreuzesnachfolge (Lk 9),
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Absterben des alten Menschen (Röm 6).
Doch das Neue kommt nicht zusätzlich zum alten, sondern:
„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen“ (2Kor 5,17)
Ohne diesen Bruch bleibt „alles neu“ eine leere Parole.
Die eigentliche Zuspitzung der Jahreslosung
Richtig verstanden ist Offb 21,5 keine tröstliche Allgemeinheit, sondern eine radikale Zusage für die Erlösten – und zugleich ein stilles Gerichtswort über alles, was nicht neu werden will.
Darum müsste eine ehrliche Verkündigung immer mitsprechen:
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Warum alles neu werden muss (wegen der Sünde),
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für wen es neu wird (für die in Christus),
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wie es neu wird (durch Kreuz, Gericht und Auferstehung).
Die Jahreslosung ist biblisch – aber gefährlich verkürzt, wenn sie:
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vom Evangelium getrennt,
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von Buße gelöst,
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vom Gericht entkernt wird.
Dann wird sie zur Hoffnung der Namenschristen, nicht zur Verheißung der Wiedergeborenen.
Will ich die Erneuerung, die Gott jetzt schon in meinem Herzen tun will (2. Kor. 5,17), oder nur eine angenehmere Welt?